. .

Patientinnen nehmen aktiv am Behandlungsmanagement teil

Neues Oncotyrol-Produkt für Forschung und klinische Routine: Software für Eierstockkrebs-Patientinnen

Laptop mit Software zur Patientenbefragung.

Innsbruck (2.7.2012) „Wie geht’s uns denn heute?“ Diese ärztliche Standardfrage ist mittlerweile zum Klischee geworden. Üblich ist aber immer noch, dass das subjektive Befinden der Patienten nicht direkt Eingang in die medizinischen Krankenakte findet, sondern dass es vom Arzt erfragt, interpretiert und aufgezeichnet wird. Wissenschaftler beklagen daher schon länger „the missing voice of patients“, also die fehlende Stimme der Patienten selbst, wenn es um ihren Gesundheitszustand und um die Nebenwirkungen ihrer Therapie geht. Ob beispielsweise eine neue Therapie die Lebensqualität der Patientinnen tatsächlich verbessert, ist nur von den Betroffenen selbst wirklich beurteilbar. „Patient-reported outcomes“ (PROs), also die subjektiven Angaben der Kranken, spielen daher eine immer wichtigere Rolle bei der Zulassung und bei der Beurteilung von Medikamenten und Behandlungsstrategien. Oncotyrol trägt diesem neuen Trend in seiner Produktentwicklung Rechnung. Zum Ende der ersten und dem heutigen Start der zweiten Förderperiode stellt das Innsbrucker Krebsforschungszentrum ein Computerprogramm (CHES-OV) vor, mit dem Patientinnen ihr Befinden selbst dokumentieren können, und zwar in Zukunft sowohl im Wartezimmer im Krankenhaus, als auch zu Hause via Internet.

Die Patientinnen füllen dabei auf ihre Krebserkrankung abgestimmte, standardisierte Fragebögen am Bildschirm aus, wobei besonders darauf geachtet wird, dass die Fragen gut verständlich und einfach zu beantworten sind. Die Antworten werden in einem Ergebnisbericht zu verschiedenen Symptombereichen zusammengefasst. Wenn sich im Vergleich zu Patientinnen mit derselben Erkrankung beziehungsweise auch im Vergleich zu Gesunden auffällige Werte zeigen, wird der Behandler mittels der Software automatisch darauf aufmerksam gemacht. Das Arzt-Patientengespräch kann damit auf die entsprechenden Symptombereiche fokussiert werden und die entsprechenden Behandlungsmaßnahmen können eingeleitet werden.

Das Arzt-Patientengespräch besser nutzen

Das Computerprogramm hat somit einen direkten Nutzen für die Behandlung der individuellen Patientin, da ihr Gespräch mit dem Arzt besser vorbereitet wird. Durch die systematische Befragung zu verschiedensten Symptomen wird außerdem sichergestellt, dass keine relevanten Beeinträchtigungen übersehen werden.

Gleichzeitig dient die Software aber auch der Qualitätssicherung und der Forschung, da die standardisierte Auswertung zahlreicher Patientinnen-Daten über einen längeren Zeitverlauf der wissenschaftlichen Evaluation einer Behandlung dienen. Somit kommen als Kunden sowohl forschungsorientierte Universitätskliniken, Bezirkskrankenhäuser und niedergelassene Ärzte in Betracht.

Die in Oncotyrol entwickelte Version für Ovarialkarzinom-Patientinnen ist eine speziell angepasste Version der Software CHES (Computer-based Health Evaluation System), die von Oncotyrol-Projektleiter Bernhard Holzner gemeinsam mit Gerhard Rumpold vom Oncotyrol-Firmenpartner Evaluation Software Development (ESD) entwickelt wurde. Sie ist im Rahmen einer Pilotphase an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Innsbruck derzeit im Einsatz und soll dort in Kürze in die klinische Routine übernommen werden. „Die computerbasierte Erhebung wird von den Patientinnen sehr gut angenommen“, berichtet Holzner. CHES ist – für andere onkologische Patientengruppen – auch bereits in Kuf-stein, Salzburg, Wels und Leipzig in Verwendung, sowie in St. Gallen für den Bereich Orthopädie. „Österreichweit sind wir die einzigen, die eine derartige Software-basierte Form der Patienten-Evaluierung durchführen, und auch weltweit gibt es nur wenige vergleichbare Lösungen“, so die Oncotyrol-Wissenschaftler.

In der heute gestarteten zweiten Förderperiode von Oncotyrol wird die Software für die internet-basierte Anwendung zu Hause weiterentwickelt. Zudem ist eine Anbindung an ein in Oncotyrol entwickeltes Expertensystem zur onkologischen Therapieplanung angedacht.

Dutzende Tablet-PC bereits im Einsatz

Um das Projekt zügig voranzutreiben, wurde die Zusammenarbeit von Oncotyrol, der Medizinischen Universität Innsbruck, der TILAK und ESD mit der Firma World-Direct in Sistrans, einer Tochterfirma von A1, weiter intensiviert. In Kufstein sind dank dieser Kooperation bereits Dutzende Tablet PCs mit der in Oncotyrol entwickelten Software im Einsatz. World Direct hat in der Zusammenarbeit mit Oncotyrol insbesondere die Vermarktung der Software für den Routine-Betrieb in großen Kliniken im Visier. „Das in Oncotyrol entwickelte Produkt ist bereits auf dem Markt erhältlich und ist bereits in einem Forschungsvorhaben in Vancouver kommerziell im Einsatz“, freut sich Rumpold.

Ausblick auf die zweite Phase von Oncotyrol

Bernhard Hofer, Geschäftsführer von Oncotyrol, zeigt sich erfreut über die bisherigen Entwicklungen: „Die Oncotyrol-Forschungsergebnisse der letzten vier Jahre haben vielversprechende Ergebnisse gebracht. Sie dienen als Grundlage für die Vermarktung von ersten Produkten in der zweiten Förderperiode, die bis 2015 läuft. Das Software-Modul ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Ergebnisse angewandter Forschung in Oncotyrol unmittelbar den Patientinnen hier in Tirol und andernorts zu Gute kommen.“ Und der wissenschaftliche Leiter von Oncotyrol, Lukas Huber, ergänzt: „IT Projekte zum personalisierten Management von Krebserkrankungen werden in der zweiten Phase von Oncotyrol eine sehr wichtige Rolle spielen. Sie ergänzen unsere Stärken in den Bereichen Biomarker-Suche, Diagnostik- und Therapie-Entwicklung sowie Health Technology Assessment, Bioinformatik und Toxikologie.“

Links:

Rückfragen:

Carola Hanisch, CEMIT – Center of Excellence in Medicine and IT GmbH, Karl-Kapferer-Str. 5, 6020 Innsbruck, Österreich, Tel. +43.512.576523-221 carola.hanisch@cemit.at
 

Hintergrund Oncotyrol:

Oncotyrol ist ein Verbund von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Entwicklung individualisierter Krebstherapien, sowie prognostischer und präventiver Methoden. Im Bereich der Wissenschaft stehen die drei Tiroler Universitäten im Zentrum. Sie arbeiten mit internationalen Wissenschaftspartnern zusammen. Auf Seiten der Wirtschaft sind regionale, überregionale und international agierende Konzerne beteiligt.

Oncotyrol wird im Rahmen des Strukturprogramms COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch die österreichischen Bundesministerien für Technologie (BMVIT) und Wirtschaft (BMWFJ) und durch die Bundesländer Tirol und Salzburg gefördert. Das Programm COMET wird von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.

Oncotyrol-Geschäftsführer ist Bernhard Hofer, MSc. Koordiniert wird das Großprojekt von der Innsbrucker CEMIT Center of Excellence in Medicine and IT GmbH. CEMIT initiiert und managt Großforschungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. www.ffg.at/comet

News Archiv

Zusammenarbeit zwischen Oncotyrol und University of Utah

Mit einer zukunftsweisenden Kooperation hat der Bereich „Public Health Decision Modeling, Health Technology Assessment and Health Economics“ des Oncotyrol – Center for Personalized Cancer Medicine die Weichen für eine erfolgreiche Forschungszusammenarbeit gestellt. Mit dem Personalized Health Care Program der Unitersity of Utah werden künftig gemeinsame Forschungsprojekte und Publikationen sowie ein Wissenschaftler- und Studentenaustauschprogramm für Aufsehen in der Fachwelt sorgen.

In den Forschungsfeldern Chronische Myeloische Leukämie (CML), Brustkrebs und Lungenkrebs sowie evidenzbasierte Versorgungsforschung werden die beiden Institute künftig eng zusammenarbeiten. „Wir planen die Einspeisung von Daten aus Patientenregistern von Utah und Österreich in die Computermodelle der Oncotyrol-Forscher, um Versorgungsstrategien für Krebspatienten bewerten zu können und zu testen, ob die entwickelten Modelle auch einem „Real Life Szenario“ standhalten und unverfälschte Ergebnisse liefern“, erläutert die Initiatorin und Leiterin des Pharmacotherapy Outcomes Research Center der University of Utah, College of Pharmacy, Prof. Diana Brixner, RPh, PhD. Beide Institute versprechen sich von der Zusammenarbeit neue Erkenntnisse und einen Schritt nach vorne in ihren jeweiligen Forschungsprojekten. „Der Schulterschluss mit einem der führenden Pharmacotherapy Outcomes Research Center in den USA eröffnet unseren Forschern die einzigartige Möglichkeit, Daten aus CML-Patientenregistern von Utah und Tirol hinsichtlich Übertragbarkeit zu vergleichen und die Ergebnisse gemeinsam mit den amerikanischen Kollegen zu validieren,“ zeigt sich Arealeiter Prof. Uwe Siebert vom Erfolg der Kooperation überzeugt, „So soll auch der Einsatz von patientenspezifischen Informationen in Behandlungsentscheidungen aufgezeigt werden.“

Forschungsruf über den großen Teich

Neben der gemeinsamen wissenschaftlichen Arbeit ist auch ein anhaltender Austausch an Forschern, Professoren und Studenten zwischen der UMIT – Health and Life Sciences University und der University of Utah geplant. „Beide Institute sind international renommiert auf ihrem Fachgebiet und können durch einen regen Wissensaustausch und Fortbildungsveranstaltungen ihren wissenschaftlichen Horizont erweitern“ erklärt Prof. Diana Brixner, RPh, Phd. Die Amerikanerin mit deutschen Wurzeln ist als Expertin für Ergebnisforschung mit „Real-World“ Datensätzen aus der klinischen Praxis international anerkannt. Univ.-Prof. Dr. Uwe Siebert, MPH, MSc. wird von seinen Fachkollegen als Koryphäe auf den Gebieten Decision Modeling und Medizintechnologiebewertung (HTA – Health Technology Assessment) geschätzt. „Dass unsere Institute zusammenarbeiten, war da geradezu eine natürliche Folge“, schmunzelt Diana Brixner, die als Gastprofessorin am Institut für Public Health, Medical Decision Making and HTA der UMIT – Health and Life Sciences University gemeinsam mit Institutskollegen und Visiting Professor Joe Biskupiak in den letzten sechs Monaten den Grundstein für die Kollaboration legte.

Auch Prof. Dr. Uwe Siebert MPH, MSc. preist die neue Zusammenarbeit in den höchsten Tönen: „Die Kernkompetenz des Personalized Health Care Programs derUniversity of Utah liegt in der Ergebnisforschung, die Stärke der Oncotyrol-Area 4 „Public Health Decision Modeling, Health Technology Assessment and Health Economics“ in der Entwicklung von Evaluierungsinstrumenten und Methoden zur Bewertung neuer präventiver und therapeutischer Verfahren. Gemeinsam können wir Entscheidungsanalyse-Modelle erstellen, auf Herz und Nieren prüfen, verbessern und wertvolle Daten extrahieren, die z.B. in der Brustkrebs-Früherkennung und bei personalisierten Krebstherapien zur Anwendung kommen.“ Auch der Vergleich tatsächlicher Behandlungsergebnisse mit dem vom Computermodell vorhergesagten Ausgang wird genau untersucht.

Projekte, Publikationen, Präsentationen

Ein anhaltender Austausch an Professoren und Studenten sorgen zudem für eine kontinuierliche Vernetzung und Zusammenarbeit. „Neben den sechs Forschungsförderungsanträgen, die wir im Rahmen meines Forschungsaufenthaltes in Tirol getätigt haben, sind auch gemeinsame Veröffentlichungen geplant“, erläutert Diana Brixner, RPh, PhD. Eine Studie zu „Application of Real World Data to Decision Models“ beim europäischen Meeting der Society for Medical Decision Making (ESMDM) im Juni 2012 in Oslo sowie eine wissenschaftliche Abhandlung über “Results of real world data to develop and validate breast cancer decision-analytic models” auf der ISPOR-Europe, International Society for Pharmacoeconomics and Outcomes Research, in Berlin 2012 sind in Arbeit. Weiters untersuchen die Forscher CML-Modelle in einer systematischen Review und bereiten einen CML-Workshop und ein wissenschaftliches Poster über evidenzbasierte Medizin für die ESMDM-Konferenz vor.

Neue Associated Researchers

Auch nach ihrer Rückkehr in die USA brechen Diana Brixner, PhD, RPh und Forschungskollege Joe Biskupiak, PhD, MBA ihre Brücken zu Tirol nicht ab. Als assoziierte Forscher für die UMIT und Oncotyrol – Center for Personalized Cancer Medicine werden sie an den oben genannten Projekten arbeiten und regelmäßig nach Tirol reisen. Auch ihre Alma Mater, die University of Utah, Department of Pharmacotherapy setzt als Scientific Partner für Oncotyrol in der zweiten Forschungsphase ab Juli 2012 neue Impulse.

Bild:

Ein Handschlag mit Zukunft: Prof. Diana Brixner, RPh, PhD vom Pharmacotherapy Outcomes Research Center (PORC) der University of Utah und Prof. Dr. Uwe Siebert, MPH, MSc von der UMIT, Bereichsleiter in Oncotyrol freuen sich auf die Forschungszusammenarbeit. Fotonachweis: UMIT/Kern

Für Rückfragen:

Eva-Maria Kienast
Project Manager
Institute of Public Health, Medical Decision Making and Health Technology Assessment
Department of Public Health and Health Technology Assessment
UMIT – University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology
Eduard Wallnoefer Center I, A-6060 Hall i.T., Austria
T +43(0)50-8648-3924 -  F +43(0)50-8648-673924
@: eva-maria.kienast@umit.at web:http://dph.umit.at

News Archiv

Wie Immunzellen im Labor angestachelt werden

Oncotyrol-Nachwuchsforscher gewinnen Eduard-Wallnöfer-Preis für Forschung gegen Krebs / Patent über ihre Entdeckung angemeldet

Innsbruck (13.12.2011) Den beiden jungen Oncotyrol-Wissenschaftlern Georg Grünbacher und Oliver Nussbaumer ist heute der Eduard-Wallnöfer-Preis für Forschung verliehen worden. Damit würdigte das Preiskommitee ihre Arbeit an der Entwicklung einer wirkungsvollen Immuntherapie gegen Krebs. Die beiden Forscher haben nicht nur exzellent publiziert (1-3), sondern ihre Erfindung auch im Rahmen von Oncotyrol zum Patent angemeldet. Somit ist der erste Schritt auf dem Weg zur Vermarktung eines Therapeutikums erfolgt – was wiederum die Voraussetzung dafür ist, dass die Immuntherapie letztlich auch beim Patienten ankommt.(von links) Bernhard Hofer (Geschäftsführer Oncotyrol), Dr. Oswald Mayr (Vorsitzender der Eduard Wallnöfer Stiftung der Tiroler Industrie), Oliver Nussbaumer, Georg Grünbacher

Grünbacher und Nussbaumer arbeiten in Oncotyrol unter Anleitung von Martin Thurnher von der Medizinischen Universität Innsbruck daran, die körpereigenen Schutzmechanismen für die Tumorabwehr zu stärken. Im Zentrum ihres Interesses stehen dabei die dendritischen Zellen. Sie sind sozusagen die Sensoren des Immunsystems, die aufmerksam im Körper umherstreifen und erkennen, wenn irgendwo Gefahr droht. Ihre Feinfühligkeit und Achtsamkeit beschützt das harmonische Gleichgewicht des Organismus. Soll Krebs von innen heraus bekämpft werden, sind es die dendritischen Zellen, die in Gang gesetzt werden müssen.

Dass dies funktionieren kann, hat lange Zeit niemand so recht geglaubt. Zu kompliziert erschien das Immunsystem, zu wenig verstanden das Zusammenspiel der vielen Zelltypen und ihrer Botenstoffe – und zu gering die Chance, dass sich ein industrieller Investor finden ließe, der darauf basierende Therapien auf den Markt bringt. In jüngster Zeit aber keimt Hoffnung auf. In den USA ist die erste auf dendritischen Zellen basierende Krebstherapie bereits zugelassen und wird von einer amerikanischen Firma vermarktet. Und Ralph Steinman, der das Potential der dendritischen Zellen als erster erkannte, hat für seine Entdeckungen in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin bekommen. Steinman ist tragischerweise kurz vor Verleihung des Preises seinem eigenen Krebsleiden erlegen. Beide Aspekte, das Vermächtnis von Steinman und die Umsetzung in die Praxis, werden in Oncotyrol gezielt vorangetrieben – besonders durch die Arbeit der beiden heute gewürdigten Preisträger.

Geheimrezept: Man gebe ihnen Antikörper

Die Oncotyrol-Wissenschaftler betätigen sich als „Züchter“ für Immunzellen. Sie probieren, welche Stoffe ihnen guttun, welche sie bremsen und wie sich die Zellen nach Zugabe bestimmter Substanzen verändern. Wie gute Züchter es tun, versuchen sie die Eigenschaften ihrer Schützlinge zu optimieren und die Favoriten zu vermehren, insbesondere jene, die im Kampf gegen Krebs Erfolg versprechen.

Im Zuge dieser Experimente sind sie auf eine Methode gestoßen, mit der man dendritische Zellen außerhalb des Körpers so richtig in Fahrt in bringen kann. Der Trick ist: Man gebe ihnen CD1b-Antikörper und den Botenstoff Interleukin-2. „Eigentlich war es ein Zufallsbefund“, erinnert sich Thurnher und ergänzt: „Wir hatten sogar eher damit gerechnet, dass der Antikörper hemmend wirkt. Dann haben wir aber ganz überrascht festgestellt, dass er die dendritischen Zellen aktiviert, und dass diese dann eine ganz massive Kettenreaktion auslösen. Sie regen insbesondere die natürlichen Killerzellen und die Gamma-Delta-T-Zellen zur Vermehrung an. Diese kommen im Blut normalerweise nur in kleiner Zahl vor. Sie sind aber extrem wichtig im Kampf gegen den Tumor. Bisher ist noch niemand auf diese Art der Immunstimulierung mit Antikörpern gekommen.“

Verkünden wie der Feind aussieht

Die Entdeckung eröffnet eine Vielzahl therapeutischer Anwendungen. Eine davon könnte wie folgt aussehen: Vom Patient wird Blut gewonnen. Die darin enthaltenen Immunzellen werden aktiviert und mit ihrer Hilfe werden Tumorzellen des Patienten getötet – alles außerhalb des Körpers. Übrig bleibt ein Extrakt aus Tumorbruchstücken. Mit diesem lassen sich dendritische Zellen „beladen“, das heißt sie präsentieren die Tumormerkmale als Warnsignale an ihrer Oberfläche. Gibt man die beladenen dendritischen Zellen als Impfstoff in den Körper zurück, verkünden sie überall, wie der „Feind“ aussieht, und regen das gesamte Immunsystem an, gezielt gegen den Tumor vorzugehen.

Ähnliche Therapien werden in der Oncotyrol Cell Therapy Unit bereits seit Jahren erfolgreich durchgeführt, allerdings sehen die Forscher in ihren neuen Entdeckungen deutliche Möglichkeiten, die Therapien noch wirkungsvoller zu machen.

Bernhard Hofer, Geschäftsführer von Oncotyrol, freut sich über den Erfolg seiner Mitarbeiter. „Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass die angewandte, verwertungsnahe Forschung, wie sie in Oncotyrol stattfindet, jungen Wissenschaftlern tolle Möglichkeiten bietet. Es ist für sie sehr befriedigend mitzuerleben, wie die eigenen Forschungsergebnisse den Weg in die praktische Umsetzung antreten“, sagte Hofer am Rande der Preisverleihung.

An dem Oncotyrol-Forschungsprojekt zu dendritischen Zellen sind neben den Tiroler Landeskrankenanstalten Tilak auch die deutschen Firmenpartner Miltenyi Biotec und CellGenix beteiligt. Ralph Steinman war bis zu seinem Tod assoziierter Partner im Projekt. Das Projekt wird von Martin Thurnher gemeinsam mit Nikolaus Romani, ebenfalls Medizinische Universität Innsbruck, geleitet. Die preisgekrönten Arbeiten basieren auf Vorarbeiten, die im Rahmen des Kompetenzzentrums Medizin Tirol (KMT) entwickelt und in Oncotyrol weitergeführt wurden. KMT wurde, wie heute Oncotyrol, von der Firma Cemit gemanagt.

Publikationen:

  1. Blood. 2009 Nov 12;114(20):4422-31. Epub 2009 Sep 17.
  2. Cancer Res. 2010 Dec 1;70(23):9611-20. Epub 2010 Oct 14.
  3. Blood. 2011 Sep 8;118(10):2743-51. Epub 2011 Jun 14.

Links:

Oncotyrol: www.oncotyrol.at/

Eduard Wallnöfer Preis: http://www.eduard-wallnoefer-preis.at/

Cell Therapy Unit Oncotyrol: http://www.oncotyrol.at/folgeseite.cfm?id=472

CEMIT (ehemals KMT): www.cemit.at

Hintergrund Eduard-Wallnöfer-Preis:

Die Eduard-Wallnöfer-Stiftung der Tiroler Industrie verleiht alljährlich den “Eduard-Wallnöfer-Preis für Forschungs- und Studienprojekte”. Gegenstand der Auszeichnung sind Forschungs- und Studienprojekte junger Tiroler und Südtiroler, die im weitesten Sinne im Interesse des Landes Tirol (aller drei Landesteile) liegen und seiner sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Weiterentwicklung nutzbar gemacht werden können.

Hintergrund Oncotyrol:

Oncotyrol ist ein Verbund von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Entwicklung individualisierter Krebstherapien, sowie prognostischer und präventiver Methoden. Im Bereich der Wissenschaft stehen die drei Tiroler Universitäten im Zentrum. Sie arbeiten mit internationalen Wissenschaftspartnern zusammen. Auf Seiten der Wirtschaft sind regionale, überregionale und international agierende Konzerne beteiligt.

Oncotyrol wird im Rahmen des Strukturprogramms COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch die österreichischen Bundesministerien für Technologie (BMVIT) und Wirtschaft (BMWFJ) und durch das Bundesland Tirol gefördert. Das Programm COMET wird von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.

Oncotyrol-Geschäftsführer ist Bernhard Hofer, MSc. Koordiniert wird das Großprojekt von der Innsbrucker CEMIT Center of Excellence in Medicine and IT GmbH. CEMIT initiiert und managt Großforschungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. www.ffg.at/comet

Rückfragen:

CEMIT – Center of Excellence in Medicine and IT GmbH, Carola Hanisch,  Karl-Kapferer-Straße 5, 6020 Innsbruck
Tel. +43.512.576523-221, Fax. +43.512.576523-301, Email: carola.hanisch@cemit.at, www.cemit.at

News Archiv

Dendritische Zellen – die vorderste Front des Immunsystems

Internationaler Workshop in Innsbruck war Nobelpreisträger Ralph Steinman gewidmet

Innsbruck (10.11.2011) Vor wenigen Tagen ging der 12. Internationale Workshop zu Langerhans-Zellen in Innsbruck zu Ende, der dem kürzlich verstorbenen Nobelpreisträger für Medizin 2011, Ralph Steinman, gewidmet wurde. Er fand unter Schirmherrschaft des Krebsforschungszentrums Oncotyrol und der Medizinischen Universität Innsbruck statt.

Im Jahr 1868 entdeckte Paul Langerhans sternförmig aussehende Zellen in der Haut: die Langerhans-Zellen. Er hielt sie, aus heutiger Sicht irrtümlicherweise, für Nervenzellen – eine Theorie, die ein ganzes Jahrhundert lang Bestand hatte. Erst Ralph Steinman erkannte in den frühen 1970ern, dass es sich in Wahrheit um die vorderste Front des Immunsystems handelt, um jene Zellen nämlich, die Krankheitserreger oder andere Gefahren erkennen und “Alarm schlagen”. Diese Erkenntnis beruhte auf seiner bahnbrechenden Entdeckung der “Dendritischen Zellen”, deren Repräsentanten in der Haut eben die Langerhans-Zellen sind. Steinman starb vor wenigen Wochen an Bauchspeicheldrüsenkrebs, tragischerweise unmittelbar vor Bekanntmachung des Nobelpreises.

Nikolaus Romani hob zur Eröffnung des traditionsreichen Workshops die vielfältigen Beziehungen hervor, die Steinman mit Innsbruck verband. So war Steinman Ehrendoktor der Universität Innsbruck und assoziierter Wissenschaftspartner der Cell Therapy Unit in Oncotyrol. Steinman hatte in den zurückliegenden Jahren oft am  Langerhanszell-Workshop teilgenommen, der heuer zum erstenmal in Innsbruck stattfand.

Verfettete Immunzellen tragen zur Krebsentstehung bei

Über vier Tage lang wurden die ca. 150 Teilnehmer aus der ganzen Welt mit wissenschaftlichen Leckerbissen versorgt. Einer davon war der Vortrag von Dmitry Gabrilovich vom Moffit Cancer Center in Florida. Er widmete sich der Frage, warum dendritische Zellen bei Krebs versagen. Eigentlich sollten sie ja dafür sorgen, dass das Immunsystem entartete Zellen erkennt und Krebs schon im Ansatz verhindert. Gabrilovich überraschte mit folgender Erklärung: Der Tumor produziert oxidierte Fettsäuren, die sich in den dendritischen Zellen ansammeln. Die verfetteten Zellen können die Tumor-Antigene nicht mehr richtig verarbeiten und präsentieren. Die T-Zellen, die “Soldaten” des Immunsystems, werden nicht mehr ordnungsgemäß gegen den Tumor losgeschickt, und der Krebs kann sich ausbreiten. Bei fettsüchtigen Menschen findet dieser Prozess übrigens nicht statt, so Gabrilovichs Antwort auf eine Frage aus dem Publikum. Fett allein reiche nicht aus, um die dendritischen Zellen lahmzulegen. Nur oxidierte Fettsäuren üben die unheilvolle Wirkung aus.

Wo bitte geht’s zum Lymphgefäß?

Ein weiterer Höhepunkt war der Vortrag von Michael Sixt vom Institute of Science and Technology (IST) in Wien. Er ging der Frage nach, wie dendritische Zellen ihr Ziel finden. Wenn sie in der Haut auf Bakterien oder andere Gefahren stoßen, wandern sie in die Lymphgefäße und über die Lymphbahnen in die Lymphknoten, wo sie reifen und die Immunantwort in Gang setzen. Doch wer sagt ihnen, wo es langgeht? Sixt konnte in vielen eindrucksvollen Filmen zeigen, dass die dendritischen Zellen einem Chemokin namens CCL21 folgen. Wie ein Hund, der den Braten schnüffelt, wandern die dendritischen Zellen in Richtung zunehmender Konzentration ihres Lockstoffs. Das umliegende Gewebe hat einen Trick entwickelt, um den Konzentrationsanstieg des Lockstoffs dauerhaft aufrecht zu erhalten: Das Chemokin ist mit einem “klebrigen” Ende an das Bindegewebe gebunden. So wird für eine robuste und dauerhafte Orientierung der dendritischen Zellen gesorgt.

Langerhans-Zellen als Kämpfer gegen Krebs, Infektionen und Autoimmunität

Vorträge von Juliana Idoyaga von der Rockefeller Universität in New York, also Ralph Steinmans Wirkungsstätte, Eynav Klechevsky von der University of Minnesota aus Minneapolis, Sangkon Oh vom Baylor Institut for Immunology in Dallas, Texas zeigten vielversprechende Wege auf, wie man mittels spezifischer Antikörper Langerhans-Zellen und ihre dendritischen Verwandten in der Haut ganz gezielt dazu bringen kann, therapeutisch erwünschte Immunantworten zu erzeugen – Killerzellen bei Krebs oder immundämpfende Zellen bei Autoimmunität, zum Beispiel bei Multipler Sklerose.

“In Oncotyrol versuchen wir, dendritische Zellen einschließlich der Langerhans-Zellen der Haut zur Krebstherapie zu nutzen, ein Ansatz, den auch Steinman im Kampf gegen seine eigene Krankheit angewendet hat, und der ihm, wovon er selbst überzeugt war, eine markante Verlängerung seines Lebens um einige Jahre ermöglicht hat. Noch ist ein weiter Weg zu gehen, aber der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie rasant sich die Forschung auf diesem Gebiet in jüngster Zeit entwickelt hat”, resümierte Nikolaus Romani zum Abschluss des Meetings.

Hintergrund Oncotyrol:

Oncotyrol ist ein Verbund von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Entwicklung individualisierter Krebstherapien, sowie prognostischer und präventiver Methoden. Im Bereich der Wissenschaft stehen die drei Tiroler Universitäten im Zentrum. Sie arbeiten mit internationalen Wissenschaftspartnern zusammen. Auf Seiten der Wirtschaft sind regionale, überregionale und international agierende Konzerne beteiligt.

Oncotyrol wird im Rahmen des Strukturprogramms COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch die österreichischen Bundesministerien für Technologie (BMVIT) und Wirtschaft (BMWFJ) und durch das Bundesland Tirol gefördert. Das Programm COMET wird von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.

Oncotyrol-Geschäftsführer ist Bernhard Hofer, MSc. Koordiniert wird das Großprojekt von der Innsbrucker CEMIT Center of Excellence in Medicine and IT GmbH. CEMIT initiiert und managt Großforschungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. www.oncotyrol.at, www.ffg.at/comet

Rückfragen:

CEMIT – Center of Excellence in Medicine and IT GmbH, Carola Hanisch,  Karl-Kapferer-Straße 5, 6020 Innsbruck

Tel. +43.512.576523-221, Fax. +43.512.576523-301, Email: carola.hanisch@cemit.at, www.cemit.at

News Archiv

Prostatakrebs an Antikörpern im Blut erkennen

Innsbrucker und Dortmunder Wissenschaftlerinnen publizieren in Fachzeitschrift „Prostate“ / Oncotyrol macht Fortschritte bei Entwicklung eines Diagnostik-Tests

Innsbruck (21.8.2011) Das Konzept klingt einfach: Tumorerkrankungen rufen die körpereigene Immunabwehr auf den Plan. Im Blut der Patienten tauchen Antikörper auf, woran sich der Krebs zuverlässig und vor allem rechtzeitig nachweisen lässt. Soweit die Theorie. In der Praxis ist die Antikörper-Diagnostik aber noch nicht so recht angekommen, weil einzelne Antikörper als Diagnose-Parameter nicht ausreichen. Viele Antikörper gleichzeitig könnten aber durchaus ein krankheitsspezifisches Muster abgeben. Es gilt also, einen Diagnostik-Test zu entwickeln, der ein solches Muster erkennt. Diese Aufgabe haben sich Forscherinnen und Forscher im Innsbrucker Krebsforschungszentrum Oncotyrol gestellt. In Oncotyrol betreiben Universitäten gemeinsam mit Firmenpartnern angewandte Forschung.

Petra Massoner von der Medizinischen Universität Innsbruck hat unter Leitung von Prof. Helmut Klocker und in Zusammenarbeit mit Angelika Lüking von dem Oncotyrol-Firmenpartner Protagen aus Dortmund erste Erfolge auf diesem Weg erzielt. Dies berichtet die Fachzeitschrift „Prostate“ (1). Die Wissenschaftlerinnen haben eine Gruppe von indikationsspezifischen Antikörpern entdeckt, die zur Prostatakrebs-Diagnostik geeignet sein könnten.

Prostatakrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen des Mannes und nur im Frühstadium heilbar. Das Prostataspezifische Antigen (PSA) ist nur bedingt geeignet, den Krebs im Frühstadium nachzuweisen, denn ein erhöhter PSA-Wert kann auch gutartige Ursachen haben. Eine Früherkennungsmethode, die Gesunde und Krebskranke mit höherer Treffsicherheit unterscheidet, wird daher dringend benötigt. In Zukunft könnte ein Blut-Test auf indikationsspezifische Antikörper wertvolle Dienste leisten, hoffen die Wissenschaftler in Innsbruck und Dortmund. Derartige Tests sind bis auf die Blutabnahme nicht invasiv und leicht in der klinischen Praxis umzusetzen.

Antikörper haben die Aufgabe, Eiweiße zu erkennen, sogenannte Antigene, die dem Körper gefährlich werden können. Auf diese Weise schützen sie den Organismus unter anderem vor Krankheitserregern. Sie treten aber auch bei Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis auf, oder bei Krankheiten, die mit vermehrtem Zelltod verbunden sind wie Krebs.

Mit Proteinen als Köder herausgefischt

Um für Prostatakrebs spezifische  Antikörper zu finden, mussten die Wissenschaftler ihnen die passenden Antigene als Bindungspartner anbieten. Mit Hilfe dieser „Köder“ kann man Antikörper aus dem Blut gewissermaßen herausfischen. Hier kam die besondere Expertise des Firmenpartners Protagen ins Spiel, der sich auf Protein-Diagnostik spezialisiert hat. Fast 40 000 Proteine wurden auf einem Träger aufgebracht. Darauf wurden Blutseren sowohl von Kranken als auch von Gesunden gegeben. Wenn Antikörper an Proteine banden, wurden diese mit

einer Farbreaktion sichtbar gemacht. So konnten die Forscher diejenigen Antikörper identifizieren, die bei Prostatakrebs im Blut auftreten. Die besten „Köder“ haben sie für ein Überprüfungsexperiment zusammengestellt. Dabei ist es ihnen tatsächlich gelungen, Krebspatienten von Gesunden und von Männern, die zwar einen erhöhten PSA-Wert aufweisen, aber keinen Krebs haben, zu unterscheiden. Nun werden die Forscher auf ihrem Weg zur Entwicklung einer Antikörper-Diagnostik weitergehen und umfangreichere Studien vorbereiten.

(1) The Prostate, Massoner et al. “Serum-Autoantibodies for Discovery of Prostate Cancer Specific Biomarkers” , online Vorabveröffentlichung DOI: 10.1002/pros.21444, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/pros.21444/abstract

Hintergrund Oncotyrol:

Oncotyrol ist ein Verbund von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Entwicklung individualisierter Krebstherapien, sowie prognostischer und präventiver Methoden. Im Bereich der Wissenschaft stehen die drei Tiroler Universitäten im Zentrum. Sie arbeiten mit internationalen Wissenschaftspartnern zusammen. Auf Seiten der Wirtschaft sind regionale, überregionale und international agierende Konzerne beteiligt.

Oncotyrol wird im Rahmen des Strukturprogramms COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch die österreichischen Bundesministerien für Technologie (BMVIT) und Wirtschaft (BMWFJ) und die Bundesländer Tirol und Steiermark gefördert. Das Programm COMET wird von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.

Oncotyrol-Geschäftsführer ist Bernhard Hofer, MSc. Koordiniert wird das Großprojekt von der Innsbrucker CEMIT Center of Excellence in Medicine and IT GmbH. CEMIT initiiert und managt Großforschungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. www.oncotyrol.at, www.ffg.at/comet

Über die Protagen AG

Die Protagen AG (www.protagen.de) ist ein international führender Spezialist in den Bereichen Diagnostik und GMP-konformer Proteinanalytik. Zu den Innovationen des Unternehmens gehört die UNIarray® Technologieplattform zur Entwicklung neuartiger Serum basierter Diagnostika sowie UNIchip®, eine vielseitige Produkt­familie von Protein Microarrays für die Entwicklung von Antikörpern.

Rückfragen zu Oncotyrol:

CEMIT – Center of Excellence in Medicine and IT GmbH, Carola Hanisch, Karl-Kapferer-Straße 5, 6020 Innsbruck
Tel. +43.512.576523-22, carola.hanisch@cemit.at, www.cemit.at

Medizinische Universität Innsbruck, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit Amelie Döbele, Tel. +43.512.9003-70080,
Amelie.Doebele@i-med.ac.at

Rückfragen zur Protagen AG:

Bettina Franz, Otto-Hahn-Str.15, 44227 Dortmund,Tel. +49 231.9742-6300, info@protagen.de, www.protagen.de

News Archiv

Personalisierte Krebstherapie: erst am Rechner, dann am Krankenbett

Nebenwirkungen mindern, Begleiterkrankungen beachten: Neues Oncotyrol-Projekt entwickelt Software für Onkologen

Innsbruck (21.8.2011) Die Diagnose Krebs macht Angst – nicht nur vor der Krankheit, sondern auch vor der Therapie. Wie wird es mir nach der Operation gehen? Halte ich eine Chemotherapie durch? Welche Folgen hat die Bestrahlung? Die Nebenwirkungen der Therapie so gering wie möglich zu halten ohne den Behandlungserfolg zu gefährden, ist der dringendste Wunsch der meisten Patienten. Für die behandelnden Ärzte bedeutet das schwierige Abwägungen, zumal jeder Patient, jede Patientin und jeder Tumor anders ist. Oncotyrol, das Innsbrucker Zentrum für personalisierte Krebsmedizin, hat nun ein neues Projekt gestartet, das helfen soll, Tumortherapien noch individueller anzupassen. Gemeinsam mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb in Bozen, den Krankenhäusern Meran und Villach und dem Software-Entwickler PCS in Klagenfurt wird ein Expertensystem zum Management onkologischer Patienten weiterentwickelt. Es soll helfen, Krebskranke sicher und schonend zu behandeln, aber gleichzeitig beste Therapiequalität nach dem neusten Wissensstand garantieren.

Prof. Manfred Mitterer und sein Team haben das Expertensystem in den letzten Jahren in Meran aufgebaut. Darin ist eine einzigartige Fülle von medizinischem Fachwissen enthalten, beispielsweise die neuesten Leitlinien der amerikanischen und europäischen Fachgesellschaften zur Behandlung diverser Tumortypen und umfassende Datenbanken über Medikamente und Naturstoffe. „Doch momentan muss man das System schon sehr gut kennen, um es bedienen zu können“, bedauert Mitterer. Das soll sich nun ändern: mit Hilfe von Oncotyrol und der Medizinsoftware-Expertise von PCS soll die Benutzerfreundlichkeit erhöht werden. Außerdem wird die Datenstruktur so geändert, dass sie internationalen IT-Standards entspricht. Das macht das System universell kompatibel, also auch auf andere Kliniken übertragbar, und erleichtert die Vernetzung und den Datenaustauch. Alfred Amann von PCS ergänzt: „Heute bereits ist Tirol Vorreiter in der Gesundheitsvernetzung. Das neue Oncotyrol-Projekt trägt einen weiteren Mosaikstein dazu bei.“ Es läuft zunächst bis Mitte 2012 und soll dann in einem Folgeprojekt ausgeweitet werden, beispielsweise durch Einbeziehung psychischer Befindlichkeiten.

Computer macht Therapie-Vorschläge

Die Patienten in Südtirol profitieren heute bereits. Das Expertensystem kennt Hunderte verschiedener Chemotherapie-Protokolle, warnt vor Unter- oder Überdosierung und weist auf Wechselwirkungen zwischen gleichzeitig eingenommenen Medikamenten oder Naturstoffen oder auf Allergien hin. Mit seiner Hilfe wird für alle Patienten ein genaues Behandlungsschema vorgeschlagen. „Damit wird uns Ärzten die Therapie-Entscheidung in keiner Weise abgenommen. Aber sie wird uns erleichtert, weil uns für jeden einzelnen Fall maßgeschneiderte Informationen schnell und umfassend zur Verfügung stehen“, erklärt Mitterer. Auch wird eine telemedizinische Expertenberatung vereinfacht, weil alle Daten, Behandlungsprotokolle, Röntgenbilder und andere Aufnahmen in Echtzeit elektronisch vorliegen. So besprechen die Meraner Ärzte heute bereits jeden einzelnen Fall in einem Tumorboard mit Spezialisten aus der Universitätsklinik Innsbruck.

Daten für Vorsorge und Forschung

Doch nicht nur die aktuelle Patientenversorgung ist den Ärzten und Entwicklern in Oncotyrol ein Anliegen, sondern auch die künftige: das Software-System leistet einen wichtigen Beitrag zur Krebsvorsorge. Es baut ein Clinical Data Warehouse auf, mit dessen Hilfe Fehlentwicklungen in der Gesundheitsversorgung rechtzeitig erkannt werden, beispielsweise unzureichende Früherkennung bestimmter Tumorarten.

Außerdem liefert das System Daten für die Forschung, die das „wirkliche Leben“ widerspiegeln. Sie sind eine wichtige Ergänzung zur Grundlagenforschung, die in sogenannten kontrollierten, randomisierten Studien abläuft. Letztere genügen zwar wissenschaftlich den höchsten Ansprüchen, finden aber unter relativ künstlichen Bedingungen statt und haben daher mit dem normalen Klinikalltag und den realen Patienten oft nur wenig gemein.

Bernhard Hofer, Geschäftsführer von Oncotyrol, betont: „In Oncotyrol bringen Wirtschaft und Wissenschaft Forschung in die Anwendung, also zum Patienten. Das neue Projekt macht unseren Ansatz sehr deutlich: es entsteht unmittelbar ein praktischer Nutzen, und gleichzeitig legen wir die Grundlage für Forschung, die den künftigen Patienten zu Gute kommen wird. Das ist nachhaltige Entwicklung des Medizinsektors.“

„Oncotyrol ist ein Aushängeschild dafür, wie hervorragend Forschung und Wirtschaft in Tirol zusammenarbeiten und somit für einen starken Standort sorgen. Die nun besiegelte Vernetzung mit Südtirol ist ein wichtiger Baustein, um die Krebsforschung weiter voranzubringen“, sagt Tirols Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Der Südtiroler Gesundheitslandesrat Richard Theiner ergänzt: „Die Volkskrankheit Krebs stellt uns alle vor große Herausforderungen. In diesem Projekt arbeiten Südtirol und Nordtirol gemeinsam daran, die Qualität der Tumorbehandlung ständig weiter zu entwickeln.“

Hintergrund Oncotyrol:

Oncotyrol ist ein Verbund von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Entwicklung individualisierter Krebstherapien, sowie prognostischer und präventiver Methoden. Im Bereich der Wissenschaft stehen die drei Tiroler Universitäten im Zentrum. Sie arbeiten mit internationalen Wissenschaftspartnern zusammen. Auf Seiten der Wirtschaft sind regionale, überregionale und international agierende Konzerne beteiligt.

Oncotyrol wird im Rahmen des Strukturprogramms COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch die österreichischen Bundesministerien für Technologie (BMVIT) und Wirtschaft (BMWFJ) und die Bundesländer Tirol und Steiermark gefördert. Das Programm COMET wird von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.

Oncotyrol-Geschäftsführer ist Bernhard Hofer, MSc. Koordiniert wird das Großprojekt von der Innsbrucker CEMIT Center of Excellence in Medicine and IT GmbH. CEMIT initiiert und managt Großforschungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. www.oncotyrol.at, www.ffg.at/comet

Rückfragen:

CEMIT – Center of Excellence in Medicine and IT GmbH, Carola Hanisch,  Karl-Kapferer-Straße 5, 6020 Innsbruck
Tel. +43.512.576523-221, Fax. +43.512.576523-301, Email: carola.hanisch@cemit.at, www.cemit.at

News Archiv