Medizintechnologie-Sektor 2011
Im Herzen Europas gelegen, verfügt Österreich über eines der weltweit besten Gesundheitssysteme, hochklassige Kliniken, exzellente Forschungseinrichtungen und gut ausgebildete Ingenieure. Das alles macht Österreich nicht nur zu einem attraktiven Markt für Produkte der Medizintechnik, sondern auch zu einem wichtigen Standort für Entwicklung und Produktion, der von einer langjährigen Ingenieurs- und Feinmechaniktradition profitiert.
Insgesamt waren 2010 in Österreich 112 Unternehmen tätig, die derartige Medizinprodukte entwickelt, produziert oder vertrieben haben. 98 dieser Firmen sind dedizierte Medizintechnik-Unternehmen, die ausschließlich in diesem Markt aktiv sind. Dazu gehören unter anderem der Spezialist für Hörimplantate MED-EL oder der Orthopädieausrüster Otto Bock.
Die Branche ist ein wichtiger Arbeitgeber: Mehr als 4.200 Menschen sind in den dedizierten Medizintechnik- Unternehmen beschäftigt. 14 weitere Unternehmen mit Sitz in Österreich beschäftigen sich nur zum Teil mit Medizintechnik. Dazu zählen unter anderem der Handschuhfabrikant Sempermed, der Optik-Konzern Carl Zeiss oder der Materialspezialist Heraeus Kulzer.
In diesen Firmen arbeiten insgesamt 1.633 Menschen, 500 Arbeitsplätze sind der Medizintechnik zuzuordnen. Die edizintechnik ist jedoch nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber in Österreich, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
2010 betrug der Gesamtumsatz des Sektors knapp 1,6 Milliarden Euro. Die dedizierten Unternehmen erreichten einen Umsatz von 730 Millionen Euro. Die weiteren Unternehmen erwirtschafteten 864 Millionen Euro, davon 73 Millionen mit medizintechnischen Aktivitäten. Die Basis für weiteres Wachstum legen die Medizintechnik-Unternehmen mit hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung.
Im Jahr 2010 investierten die dedizierten Unternehmen rund 93 Millionen Euro. Sie sind auf einen kontinuierlichen Nachschub an neuen Ideen angewiesen, um im internationalen Wettbewerb zu punkten. Hochinnovativ sind auch die zahlreichen Start-ups der Branche – insgesamt sechs Neugründungen konnten 2010 verzeichnet werden.
Anders als beispielsweise die Medikamentenentwicklung zählt die Medizintechnik zu den weniger kapitalintensiven Feldern der Life Sciences. Das spiegelt sich auch in geringeren Finanzierungseinnahmen wider. Im Jahr 2010 flossen insgesamt 37 Millionen Euro in die dedizierten Unternehmen.
Diese und mehr Zahlen erfahren Sie im Medizintechnologie Sektor Report 2011.
Biotechnologie-Sektor 2011
Der österreichische Biotechnologie-Sektor 2011
Die Lebenswissenschaften und mit ihnen die ‚Biotechnologie werden in Österreich als eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien angesehen, um neue Entwicklungen voranzutreiben und ökonomisches Potenzial zu generieren. Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat eine lebendige Szene innovativer Biotechnologieunternehmen Österreich einen prominenten Platz auf der Landkarte der Lebenswissenschaften in Europa verschafft.
Die Biotechnologie ist in Österreich noch jung – im Durchschnitt ist ein Unternehmen gerade einmal sieben Jahre alt. Und doch hat die Branche innerhalb kürzester Zeit eine kritische Masse erreicht und ist zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor herangewachsen. Mehr als drei Milliarden Euro erlösten 2010 die österreichischen Unternehmen, die entweder zum Teil mit biotechnologischen Methoden arbeiten oder sich komplett der Biotechnologie verschrieben haben. 2,865 Milliarden entfielen auf die 36 biotechnologisch aktiven Unternehmen, zu denen Konzerne wie Baxter, Boehringer Ingelheim, Sandoz oder Sanochemia gehören. Sie beschäftigen 5.810 Menschen, die meisten davon in hochqualifizierten Positionen.
Die 77 dedizierten Biotechnologieunternehmen kommen zusammengenommen auf einen Umsatz von 161 Millionen Euro und beschäftigen 1.470 Mitarbeiter. Durch stabiles Wachstum wird die Bedeutung der Biotechnologie in Österreich auch für die nächsten Jahre weiter steigen.
Die „rote“ Biotechnologie mit ihrem Fokus auf pharmazeutische Wirkstoffe, Diagnostika und neue Therapien sowie und die „weiße“ Biotechnologie, bei der es um die Entwicklung biotechnischer Prozesse für die Industrie geht, sind dabei die nach Umsätzen größten Teilbereiche im österreichischen Biotechnologie-Sektor. Alleine 97 Millionen Euro und damit 60% des Gesamtumsatzes entfallen auf den Gesundheitssektor, der Umsatz in der industriellen Biotechnologie lag 2010 bei rund 17 Millionen Euro, ein Anteil von 11%.
Ob weiß oder rot – geografisch gesehen hat die Biotechnologie in Österreich einen klaren Schwerpunkt in Wien. 43 und damit mehr als jedes zweite dedizierte Biotechnologieunternehmen hat seinen Sitz in der Bundeshauptstadt.
Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben der dedizierten Biotechnologie-Unternehmen haben 2010 den Umsatz übertroffen. Dies ist ein weiterer Beleg für die Innovationskraft der Branche. Insgesamt investierten die Firmen 173 Millionen Euro in zukünftige Produkte, das entspricht 107% des Umsatzes.
Die Investoren halten die Biotechnologie für ein zukunftsträchtiges Feld. Die Finanzierungen in der österreichischen Biotechnologie zeigten sich im Jahr 2010 auf hohem Niveau. Insgesamt flossen Gelder in Höhe von rund 79 Millionen Euro in die Branche – addiert man Mittel von Wagniskapitalgebern, privaten Investoren, Fördermittel, Kredite und sonstige Zuwendungen zusammen. Den Löwenanteil stellten mit 35 Millionen Euro dabei private Investoren und Business Angels zur Verfügung, Wagniskapitalfonds bildeten mit einer Gesamtsumme von 19 Millionen Euro die zweitgrößte Finanzquelle für die Biotechnologie-Unternehmen.
Mehr Zahlen und Fakten können Sie im Austrian Biotechnology Sector Survey 2011 nachlesen.
Life Sciences in Österreich
Wir machen Innovationen von morgen schon heute möglich
Österreich hat sich der nachhaltigen Entwicklung seiner Life Sciences-Branche verschrieben. Die Dynamik, Kreativität und Innovationskraft unserer Life Sciences-Branche beruht auf unseren exzellenten Ingenieurs- und Wissenschaftsleistungen. Mit großen als auch kleinen Firmen im therapeutischen, medizintechnischen und diagnostischen Bereich sowie Anbietern von Schlüsseltechnologien und zugehörigen Dienstleistern, bietet Österreich ein dynamisches Umfeld für die Life Sciences-Industrie.
Im Laufe der vergangenen Jahre konnte sich die österreichische Life Sciences-Szene über einige herausragende Lizenz Deals freuen. Nach Kooperationen von Intercell, AFFiRiS und Apeiron mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline wurde ein weiterer Global Player in Österreich aktiv – Boehringer-Ingelheim (BI). Das Jahr 2010 schloss mit dem größten jemals in Österreich abgeschlossen Lizenzdeal: Die Antikörper-Firma f-star unterschrieb einen Vertrag mit Boehringer-Ingelheim, der potentielle Meilensteinzahlungen von bis zu 1,26 Milliarden Euro umfasst. Im September 2011 legte f-star mit einem 500 Millionen Deal mit Merck Serono noch einmal nach.
Auch abseits der klassischen Lizenzdeals investieren die Großen immer wieder in den Life Science Standort Österreich. Im August 2011 übernahm GE Healthcare den oberösterreichischen Entwickler und Anbieter von Zellkulturmedien für die biomedizinische Forschung PAA Laboratories. 2010 eröffnete B. Braun Austria eine eigene Entwicklungseinheit in Graz, um einen neuartigen Glukosesensor zu entwickeln und klinisch zu testen. Auch Fresenius Medical Care, ein führender Anbieter von Produkten für die Dialyse, hat 2010 in Niederösterreich einen neuen Forschungs- und Entwicklungsstandort eröffnet.Diese Erfolgsgeschichten haben einmal mehr gezeigt, dass Österreich sich in den letzten zehn Jahren zu einem wichtigen Zentrum für Life Sciences entwickelt hat.
Ein toller Standort für Ihr Life Sciences-Unternehmen
Vor allem in der Biotechnologie hat Österreich im internationalen Vergleich sehr viel zu bieten. Unsere Unternehmen gehören beispielsweise zu den Weltmarktführern in der Entwicklung neuer Vakzine und Antiinfektiva. Innovative
Spin-offs wie die börsennotierte Intercell oder AVIR Greenhills und Nabriva können sich auch im internationalen Vergleich sehen lassen. In der Krebsforschung gibt es international renommierte Forschungsinstitute wie das Institut für molekulare Pathologie (IMP) in Wien oder Oncotyrol in Innsbruck. Auch innovative Start-Ups sind aktive Player auf dem Gebiet Krebs: Die Wiener Firma Apeiron beispielsweise entwickelt ein Mittel zur Behandlung des Neuroblastoms. Der personalisierten Medizin kommt in Österreich ebenfalls immer mehr Bedeutung zu. Die Tiroler Firma Biocrates ist führend auf dem Gebiet der diagnostischen Biomarkerforschung und in Graz ist beispielsweise die größte europäische Biobank beheimatet – mit fast vier Millionen Gewebeproben. In der industriellen Biotechnologie forschen die in Europa einzigartigen Zentren Austrian Centre of Industrial Biotechnology (ACIB) und Research Center Pharmaceutical Engineering (RCPE) unter anderem an neuen Produktionstechniken.
Heimische Weltmarktführer gibt es auch in der Medizintechnik: Greiner Bio One in Oberösterreich ist einer der großen Player in der Herstellung und dem Vertrieb von Plastiklaborausstattung. Weltweiter Technologieführer bei implantierbaren Hörgeräten ist die Tiroler Firma Med-El, und der deutsche Prothesenhersteller Otto Bock betreibt einen seiner wichtigstenForschungsstandorte in Wien: das revolutionäre Kniegelenk C-Leg wurde nicht nur in Österreich entwickelt, es wird hier auch gefertigt und in die ganze Welt exportiert.
Auch die kleinen Medizintechnikhersteller bringen innovative Produkte zur Marktreife und sind auf dem Weg zum Weltmarktführer von morgen. Die Tiroler Firma Ergospect hat ein Pedalergometer auf den Markt gebracht, mit dem es erstmals möglich ist, Stoffwechselerkrankungen der Muskulatur nicht-invasiv zu diagnostizieren. Mittlerweile werden die Produkte sogar in Indien und Japan gekauft. Die oberösterreichische Firma Anagnostics wiederum spezialisiert sich auf Systeme und Tests für die Life Science Forschung und klinische In vitro-Diagnostik. Mit dem hyborg hat das Unternehmen einen Analyseautomaten entwickelt, der Proben völlig automatisiert nach vielen verschiedenen Merkmalen untersucht. Die Technologie der Testkartuschen hybcell wird laufend für weitere Anwendungsgebiete ausgebaut – aktuell vor allem in den Bereichen der onkologischen Tests und der Infektionsdiagnostik.
Diese Erfolge wurden vor allem möglich durch herausragende ForscherInnen, die auch bereit sind, sehr viel persönliches Risiko zu tragen. Nicht zuletzt führt jedoch das großartige Wirtschaftsklima dazu, dass Life Sciences-Firmen florieren. Österreich ist laut einer Mercer Study nicht nur das Land mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Auch Steuerbedingungen, wie 10% Forschungsprämie für Investitionen in F&E und die Körperschaftssteuer von 25%, sind wesentliche Faktoren zur Betriebsansiedlung. Multinationale Großunternehmen sowie Start-up-Unternehmen profitieren von maßgeschneiderten Finanzierungsmaßnahmen und einer hohen Bandbreite an gut dotierten Förderungen.