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Die Zeit als Taktgeber für das Leben

07.11.2013, Company Events LISA Events

Vom 7. bis 8. November 2013 findet am Wiener Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie das elfte internationale VBC PhD-Symposium statt. Die Konferenz, die ausschließlich von Studenten organisiert wird, behandelt die vielfältigen Beziehungen des Lebendigen zum Faktor Zeit.   

Es ist bereits Tradition: die Themen, die von den Doktoratsstudenten am Campus Vienna Biocenter für ihre jährliche Konferenz ausgewählt werden, bewegen sich stets am Rande des wissenschaftlichen mainstreams und berühren sowohl philosophische wie gesellschaftlich relevante Aspekte. In diesem Jahr kreisen die Vorträge der 17 hochkarätigen Forscher, die als Sprecher eingeladen wurden, um das Thema „Zeit“ und all jenen Aspekten der Zeit, die für das Leben auf der Erde von Bedeutung sind. Hier eine Auswahl der behandelten Themen:

Wie nimmt unser Gehirn Zeit wahr? Dieser Frage widmet sich Dean Buonomano (University of California, Los Angeles), der den Eröffnungsvortrag des Symposiums hält. Sowohl beim Hören von Sprache oder Musik wie auch bei der Kontrolle von Bewegungen muss das Gehirn Zeitunterschiede im Millisekundenbereich wahrnehmen können. Buonomano und sein Team kombinieren psychologische Tests, elektrophysiologische Messungen in Nervenzellen und Computersimulationen und identifizierten damit Schaltkreise im Gehirn, die für die Messung bestimmter Zeitintervalle spezifisch sind. Laut Buonomano ähnelt der Mechanismus der Zeitmessung im Gehirn eher „der Dynamik von Wellen in einem Teich“ als einer Uhr.

Viele Funktionen gesunder Zellen, wie Teilungsvorgänge oder Reparaturmecha-nismen, werden durch tagesperiodische Rhythmen beeinflusst. Diese zeitliche Kontrolle ist bei Krebszellen gestört – eine Tatsache, die auch auf die Krebs-therapie Auswirkungen hat. Der französische Arzt Francis Lévi (Paul Brousse Hospital, Villejuif) beschäftigt sich mit der optimalen Anpassung der Krebs-behandlung an den persönlichen Biorhythmus von Patienten. Die sogenannte Chronotherapie konnte in Studien sowohl die Wirksamkeit der Medikamente erhöhen als auch Nebenwirkungen verringern.

Der Neurowissenschaftler Russell Foster (University of Oxford, UK) leitet eine Abteilung für Augenheilkunde und erforscht, wie das Licht zirkadiane Rhythmen wie unseren Schlaf-Wach-Zyklus reguliert. Er entdeckte, dass die Netzhaut von Säugetieren neben den bekannten Stäbchen und Zapfen einen weiteren lichtempfindlichen Photorezeptor enthält, der das Umgebungslicht zur Synchronisation von Körpervorgängen nutzt. Foster ist auch Autor eines populärwissenschaftlichen Buchs mit dem Titel “Rhythms of Life”.

Kirsty Spalding (Karolinska Institut, Stockholm) vergleicht die Bildung und Dynamik von Fettzellen in schlanken und übergewichtigen Körpern. Sie nutzt den radioaktiven Fallout der Atombombentests zwischen 1955 und 1963 als „Zeitmarke“ für die Entstehung der Zellen, da das damals eingebaute 14C-Isotop noch immer nachweisbar ist. Mit dieser Methode kann das Schicksal von Zellen und Geweben in menschlichen Körpern über lange Zeiträume verfolgt werden, es ist also eine Art radioaktiver Uhr.

Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler Paolo Sassone-Corsi (University of California, Irvine) untersucht, wie die in den Genen enthaltenen Anweisungen innerhalb der Zelle in Proteine mit definierter Funktion übersetzt werden. Er konnte faszinierende Zusammenhänge zwischen der zirkadianen Uhr, dem Stoffwechsel und epigenetischen Veränderungen herstellen. Der innere Zeitgeber ist auch imstande, Veränderungen im Zellstoffwechsel wahrzunehmen, was wiederum die Nahrungsaufnahme über die innere Uhr mit dem Epigenom verbindet. Sassone-Corsi ist einer der Keynote-Sprecher.

Am Ende des ersten Symposiumstags werden die Gewinner des „VBC Art & Science Contest“ bekanntgegeben. Der zweite Tag endet traditionell mit der Prämierung der besten Dissertationen am Campus Vienna Biocenter.

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Die Internationalen VBC PhD-Symposien werden von den Doktoratsstudenten am Campus Vienna Biocenter organisiert. Mit Unterstützung der Institute IMP, IMBA, GMI und MFPL bestreiten die Studenten sämtliche Vorbereitungen als Teil ihrer umfassenden Ausbildung.

Vertreter der Medien sind herzlich zur Teilnahme am Symposium eingeladen. Vorträge und Diskussionen finden in englischer Sprache statt. Wenn Sie uns besuchen möchten, freuen wir uns über eine kurze Rückmeldung. Sollten Sie an einem Interview interessiert sein, leiten wir Ihre Anfrage gerne weiter.

“TIME – how nature sets the clock”

Ort: Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, IMP Hörsaal, 4. Stock
Dr. Bohr-Gasse 7, 1030 Wien
Zeit: 7. November, 9.45 – 18.00 Uhr; 8. November, 9.30 – 17.45 Uhr

Weitere Informationen sowie das detaillierte Programm finden Sie unter
http://www.vbc-phd-symposium.at

Kontakt:
Dr. Heidemarie Hurtl
IMP Communications
Tel. +43 (0)1 79730-3625
mobil: +43 (0)664 8247910
E-mail: hurtl@imp.ac.at

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