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Patientinnen nehmen aktiv am Behandlungsmanagement teil

Neues Oncotyrol-Produkt für Forschung und klinische Routine: Software für Eierstockkrebs-Patientinnen

Laptop mit Software zur Patientenbefragung.

Innsbruck (2.7.2012) „Wie geht’s uns denn heute?“ Diese ärztliche Standardfrage ist mittlerweile zum Klischee geworden. Üblich ist aber immer noch, dass das subjektive Befinden der Patienten nicht direkt Eingang in die medizinischen Krankenakte findet, sondern dass es vom Arzt erfragt, interpretiert und aufgezeichnet wird. Wissenschaftler beklagen daher schon länger „the missing voice of patients“, also die fehlende Stimme der Patienten selbst, wenn es um ihren Gesundheitszustand und um die Nebenwirkungen ihrer Therapie geht. Ob beispielsweise eine neue Therapie die Lebensqualität der Patientinnen tatsächlich verbessert, ist nur von den Betroffenen selbst wirklich beurteilbar. „Patient-reported outcomes“ (PROs), also die subjektiven Angaben der Kranken, spielen daher eine immer wichtigere Rolle bei der Zulassung und bei der Beurteilung von Medikamenten und Behandlungsstrategien. Oncotyrol trägt diesem neuen Trend in seiner Produktentwicklung Rechnung. Zum Ende der ersten und dem heutigen Start der zweiten Förderperiode stellt das Innsbrucker Krebsforschungszentrum ein Computerprogramm (CHES-OV) vor, mit dem Patientinnen ihr Befinden selbst dokumentieren können, und zwar in Zukunft sowohl im Wartezimmer im Krankenhaus, als auch zu Hause via Internet.

Die Patientinnen füllen dabei auf ihre Krebserkrankung abgestimmte, standardisierte Fragebögen am Bildschirm aus, wobei besonders darauf geachtet wird, dass die Fragen gut verständlich und einfach zu beantworten sind. Die Antworten werden in einem Ergebnisbericht zu verschiedenen Symptombereichen zusammengefasst. Wenn sich im Vergleich zu Patientinnen mit derselben Erkrankung beziehungsweise auch im Vergleich zu Gesunden auffällige Werte zeigen, wird der Behandler mittels der Software automatisch darauf aufmerksam gemacht. Das Arzt-Patientengespräch kann damit auf die entsprechenden Symptombereiche fokussiert werden und die entsprechenden Behandlungsmaßnahmen können eingeleitet werden.

Das Arzt-Patientengespräch besser nutzen

Das Computerprogramm hat somit einen direkten Nutzen für die Behandlung der individuellen Patientin, da ihr Gespräch mit dem Arzt besser vorbereitet wird. Durch die systematische Befragung zu verschiedensten Symptomen wird außerdem sichergestellt, dass keine relevanten Beeinträchtigungen übersehen werden.

Gleichzeitig dient die Software aber auch der Qualitätssicherung und der Forschung, da die standardisierte Auswertung zahlreicher Patientinnen-Daten über einen längeren Zeitverlauf der wissenschaftlichen Evaluation einer Behandlung dienen. Somit kommen als Kunden sowohl forschungsorientierte Universitätskliniken, Bezirkskrankenhäuser und niedergelassene Ärzte in Betracht.

Die in Oncotyrol entwickelte Version für Ovarialkarzinom-Patientinnen ist eine speziell angepasste Version der Software CHES (Computer-based Health Evaluation System), die von Oncotyrol-Projektleiter Bernhard Holzner gemeinsam mit Gerhard Rumpold vom Oncotyrol-Firmenpartner Evaluation Software Development (ESD) entwickelt wurde. Sie ist im Rahmen einer Pilotphase an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Innsbruck derzeit im Einsatz und soll dort in Kürze in die klinische Routine übernommen werden. „Die computerbasierte Erhebung wird von den Patientinnen sehr gut angenommen“, berichtet Holzner. CHES ist – für andere onkologische Patientengruppen – auch bereits in Kuf-stein, Salzburg, Wels und Leipzig in Verwendung, sowie in St. Gallen für den Bereich Orthopädie. „Österreichweit sind wir die einzigen, die eine derartige Software-basierte Form der Patienten-Evaluierung durchführen, und auch weltweit gibt es nur wenige vergleichbare Lösungen“, so die Oncotyrol-Wissenschaftler.

In der heute gestarteten zweiten Förderperiode von Oncotyrol wird die Software für die internet-basierte Anwendung zu Hause weiterentwickelt. Zudem ist eine Anbindung an ein in Oncotyrol entwickeltes Expertensystem zur onkologischen Therapieplanung angedacht.

Dutzende Tablet-PC bereits im Einsatz

Um das Projekt zügig voranzutreiben, wurde die Zusammenarbeit von Oncotyrol, der Medizinischen Universität Innsbruck, der TILAK und ESD mit der Firma World-Direct in Sistrans, einer Tochterfirma von A1, weiter intensiviert. In Kufstein sind dank dieser Kooperation bereits Dutzende Tablet PCs mit der in Oncotyrol entwickelten Software im Einsatz. World Direct hat in der Zusammenarbeit mit Oncotyrol insbesondere die Vermarktung der Software für den Routine-Betrieb in großen Kliniken im Visier. „Das in Oncotyrol entwickelte Produkt ist bereits auf dem Markt erhältlich und ist bereits in einem Forschungsvorhaben in Vancouver kommerziell im Einsatz“, freut sich Rumpold.

Ausblick auf die zweite Phase von Oncotyrol

Bernhard Hofer, Geschäftsführer von Oncotyrol, zeigt sich erfreut über die bisherigen Entwicklungen: „Die Oncotyrol-Forschungsergebnisse der letzten vier Jahre haben vielversprechende Ergebnisse gebracht. Sie dienen als Grundlage für die Vermarktung von ersten Produkten in der zweiten Förderperiode, die bis 2015 läuft. Das Software-Modul ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Ergebnisse angewandter Forschung in Oncotyrol unmittelbar den Patientinnen hier in Tirol und andernorts zu Gute kommen.“ Und der wissenschaftliche Leiter von Oncotyrol, Lukas Huber, ergänzt: „IT Projekte zum personalisierten Management von Krebserkrankungen werden in der zweiten Phase von Oncotyrol eine sehr wichtige Rolle spielen. Sie ergänzen unsere Stärken in den Bereichen Biomarker-Suche, Diagnostik- und Therapie-Entwicklung sowie Health Technology Assessment, Bioinformatik und Toxikologie.“

Links:

Rückfragen:

Carola Hanisch, CEMIT – Center of Excellence in Medicine and IT GmbH, Karl-Kapferer-Str. 5, 6020 Innsbruck, Österreich, Tel. +43.512.576523-221 carola.hanisch@cemit.at
 

Hintergrund Oncotyrol:

Oncotyrol ist ein Verbund von Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft zur beschleunigten Entwicklung individualisierter Krebstherapien, sowie prognostischer und präventiver Methoden. Im Bereich der Wissenschaft stehen die drei Tiroler Universitäten im Zentrum. Sie arbeiten mit internationalen Wissenschaftspartnern zusammen. Auf Seiten der Wirtschaft sind regionale, überregionale und international agierende Konzerne beteiligt.

Oncotyrol wird im Rahmen des Strukturprogramms COMET – Competence Centers for Excellent Technologies durch die österreichischen Bundesministerien für Technologie (BMVIT) und Wirtschaft (BMWFJ) und durch die Bundesländer Tirol und Salzburg gefördert. Das Programm COMET wird von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG abgewickelt.

Oncotyrol-Geschäftsführer ist Bernhard Hofer, MSc. Koordiniert wird das Großprojekt von der Innsbrucker CEMIT Center of Excellence in Medicine and IT GmbH. CEMIT initiiert und managt Großforschungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. www.ffg.at/comet

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