. .

Vakzine und Antiinfektiva

Führend im Kampf gegen weltweite Pandemien und lokale Infektionen

Infektionskrankheiten stellen eine nennenswerte Gesundheitsgefahr dar und sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen. Infektionen durch mehrfachresistente Mikroben in Krankenhäusern treten immer häufiger auf und führen mit neun Millionen Fällen weltweit und einer Sterblichkeitsrate von 4,5% zu Risiken für die Patienten und Belastungen für Gesundheitssysteme.

Eine Reihe höchst innovativer österreichischer Unternehmen bieten Lösungen im Kampf gegen immer häufiger auftretende gefährliche Krankheitserreger an und gestalten die Welt der antibiotischen Therapie um oder arbeiten an neuen Impfstoffen und Therapeutika, einschließlich jener gegen Grippe oder anderer ansteckender Krankheiten.

Inhalte

  1. Der globalen Grippegefahr begegnen
    1. Impfstoffe gegen Grippe
    2. Antivirale Therapeutika gegen Grippe
  2. Therapeutische Impfstoffe
  3. Bakterielle Infektionen
    1. Marine Biotechnologie
  4. Regenerative Medizin
    1. Rekombinante Proteine
    2. Biologische Implantate

Der globalen Grippegefahr begegnen


Impfstoffe gegen GrippeGrippe ist eine hoch ansteckende virale Erkrankung. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken 15% der Weltbevölkerung jährlich an einer Grippeinfektion, was zu 250.000 bis 500.000 Toten pro Jahr führt. Zumindest vier österreichische Unternehmen, und zwar Baxter, Valneva, Marinomed Biotechnologie und Savira pharmaceuticals, entwickeln innovative Wege, um diese virale Infektion zu bekämpfen und um sich auf zukünftige mögliche Pandemien vorzubereiten.

Impfstoffe gegen Grippe


Ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich der Entwicklung neuer Grippeimpfstoffe ist die österreichische Niederlassung des weltweit agierenden Pharmakonzerns Baxter. Baxter verwendet für die Herstellung seiner Impfstoffe keine Eier. Es nutzt stattdessen eine einzigartige Technologieplattform mit Verozellen, einem der fortschrittlichsten Zellkulturensysteme, die für die großflächige Herstellung von Impfstoffen sowohl gegen saisonale Grippe als auch gegen Grippeepidemien verwendet wird. Dieser Ansatz ist auch deshalb so vorteilhaft, weil er schneller und flexibler als traditionelle Methoden auf Eibasis ist.

Valneva – das erste und bislang einzige österreichische Biotech-Unternehmen an der Börse – ist ein weiterer Anbieter von Impfstoffen und arbeitet an einem neuen Ansatz gegen Grippepandemien. Wichtiger Bestandteil davon ist die Verwendung des Adjuvans-Pflasters von Valneva(immunstimulierendes Pflaster VEP). Durch das VEP kann die Immunantwort der bereits injizierten Impfstoffe gegen pandemische Grippe erhöht werden.

Antivirale Therapeutika gegen Grippe


Aber es geht beim Kampf gegen Grippe nicht nur um Impfstoffe. Antivirale Therapeutika mit einem breiten Spektrum können ebenfalls eine Rolle spielen und in Österreich gibt es zwei Unternehmen, die in diesem Bereich zu einem Durchbruch gelangen konnten. Marinomed Biotechnologie hat bereits ein antivirales Nasenspray gegen die gewöhnliche Erkältung auf dem Markt. Diese bemerkenswerte Erkältungstherapie ist deshalb einzigartig, weil es über einen aktiven Bestandteil verfügt, der Carragelose® genannt wird und antivirale Effekte hervorruft, wie durch klinische Studien bestätigt wurde. Marinomed hat tatsächlich entdeckt, dass dieser von roten Seealgen stammende Polymer ein wirksamer Hemmstoff gegen rund 200 Viren ist, die die Atemwege betreffen, darunter der Grippestamm A wie etwa H1N1.

Neue strukturbasierte Grippetherapeutika werden von Savira pharmaceuticals entwickelt. Unter seinen möglichen Produkten sind vollständig rational entwickelte Polymerase-Hemmstoffe, die auf Cap-snatching Mechanismen zielen, die nur bei Grippe vorkommen.

Therapeutische Impfstoffe


Ausgehende von den unternehmenseigenen Patenten entwickelt AFFiRiS maßgeschneiderte peptidbasierte Impfstoffe gegen Alzheimer, Atherosklerose, Parkinson, Bluthochdruck, Diabetes und viele weitere Krankheiten. Alzheimer ist derzeit die primäre Leitindikation. Für das Impfprogramm gegen Alzheimer wurde im Oktober 2008 eine Lizenz- und Optionsvereinbarung mit GlaxoSmithKline abgeschlossen, was zu einer Vorauszahlung von 22,5 Millionen Euro geführt hat. Durch den Vertrag sind Zahlungen (je nach erreichtem Meilenstein) von bis zu 430 Millionen Euro möglich. Eine erste Zahlung für einen solchen Meilenstein wurde im Oktober 2009 in der Höhe von 10 Millionen Euro getätigt. Erst vor kurzem wurde eine zweite Zahlung in der Höhe von 3,5 Millionen Euro angekündigt. AFFiRiS beschäftigt derzeit über 85 hochqualifizierte Mitarbeiter am Campus Vienna Biocenter in Wien.

Hookipa Biotech ist ein junges Biotech-Unternehmen, das im Sommer 2011 in Wien gegründet wurde. Die Aufgabe des Unternehmens ist die Entwicklung innovativer Impfstoffe basierend auf der unternehmenseigenen Technologie VaxwaveTM für die Vorbeugung und Behandlung von verschiedenen Krankheiten. Die Technologie baut auf einer neuartigen Impfstoffplattform basierend auf nicht-replikationsfähigen viralen Vektoren auf. Es wurde als eine der vielversprechendsten Strategien für die nächste Impfstoffgeneration identifiziert, da es sowohl langanhaltende und als auch kräftige zelluläre und humorale immunologische Abwehrreaktionen hervorruft. Im Oktober 2011 erhielt Hookipa 7 Millionen Euro von international anerkannten Risikokapitalinvestoren. Das Unternehmen richtet derzeit sein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung seines wichtigsten Impfstoffkandidaten HB101, plant den weiteren Ausbau der Technologie VaxwaveTM und die Errichtung einer robusten, präklinischen Produktpipeline.

Bakterielle Infektionen


Nach der Entdeckung von Penizillin glaubten viele Menschen, dass der weltweite Kampf gegen bakterielle Infektionen bereits gewonnen sei. Weit gefehlt! Schon nach wenigen Jahren traten erste Anzeichen für antibiotische Resistenz auf. Die pharmazeutische Industrie richtete ihren Blick jedoch in eine andere Richtung und entwickelte keine neuen antibiotischen Klassen, um der Entwicklung von Resistenzen entgegenzuwirken. Heute sind wir mit der Tatsache konfrontiert, dass antibiotikaresistente bakterielle Krankheitserreger überall auftreten, ohne dass neue therapeutische Ansätze verfügbar sind. Nabriva Therapeutics ist einer der wenigen Pharmakonzerne, die neue Klassen von Antibiotika entwickeln, genannt Pleuromutilin, die speziell darauf ausgerichtet sind, auf schwere Infektionen im Menschen zu reagieren, die durch antibiotikaresistente Krankheitserreger hervorgerufen wurden. Jüngste klinische Phase-II-Daten für das führende Pleuromutilin von Nabriva, BC-3781, konnten einen grundlegenden Erfolg bei der Behandlung von schweren Hautinfektionen und bakterieller Lungenentzündung nachweisen.

Ein weiteres bahnbrechendes österreichisches Unternehmen wählt einen anderen Ansatz als traditionelle Antibiotika. Arsanis Biosciences entwickelt wahre Cocktails mit höchst wirksamen menschlichen monoklonalen Antikörpern, die beim Anvisieren multipler mikrobieller Abwehrstoffe eine Rolle spielen. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf lebensbedrohenden Infektionen, die durch antibiotikaresistente Krankheitserreger verursacht werden oder auf jenen Infektionen, die durch eine hohe Sterblichkeitsrate gekennzeichnet sind.

Valneva verfügt über einen Impfstoff gegen Pseudomonas aeruginosa, der derzeit klinisch getestet wird. Pseudomonas aeruginosa ist für nicht weniger als 10% aller bakterieller Infektionen verantwortlich, mit denen man sich in Spitälern ansteckt. Im Jahr 2012 durchlief es eine Phase-II/III-Studie, die im Erfolgsfall zu einer weiteren wertvollen Waffe im Kampf gegen tödliche Infektionen in Spitälern führen kann.

Marine Biotechnologie


Zu guter Letzt sind natürliche Substanzen, vor allem jene, die aus der marinen Umwelt stammen, eine immer beliebter werdende Produktquelle mit einem echten Nutzen als antibakterielle oder antivirale Therapeutika. SeaLife Pharma® ist ein innovatives Unternehmen, das sich auf marine Biotechnologie spezialisiert hat und sich auf die Entdeckung und Entwicklung neuer bioaktiver Verbindungen konzentriert. Seine Forschung basiert auf der chemischen Diversität bisher unerforschter mariner Mikroben und auf einer breiten Erfahrung im antiinfektiven Bereich auf allen Ebenen, von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Entwicklung. Derzeit entwickelt SeaLife präklinisch eine erste Gruppe mit 16 neuen Verbindungen, für die zwei Patente gegen nosokomiale bakterielle Infektionen beantragt wurden. Mit weiteren vielversprechenden Verbindungen, die derzeit vorbereitet werden, wird SeaLife ein zuverlässiger Partner für die großen Pharmakonzerne im Bereich der Entdeckung und Entwicklung neuer Medikamente sein.

Das Unternehmen AlgOss Biotechnologies mit Sitz in Wien wurde Ende 2002 gegründet und hat sich seitdem auf die Erforschung, Entwicklung und Herstellung medizinischer Produkte durch die Verwendung roter Meeresalgen spezialisiert. Das Unternehmen ist der erste und einzige Hersteller eines bioaktiven, vollständig resorbierbaren, knochenbildenden Materials pflanzlichen Ursprungs, das in der regenerativen Medizin verwendet werden kann. Die Produkte sind anorganische Kalzium-Phosphate im Bereich der Biokeramik und verfügen über eine spezielle verbindende poröse Mikrostruktur.

Regenerative Medizin


Eine Folge schwerer bakterieller Infektionen kann beschädigtes Gewebe in Form von Wunden, Geschwüren oder abgestorbener Schrunde rund um Muskeln oder Knochen sein. Die Heilung dieser Schäden ist eine der Herausforderungen moderner Medizin und in Österreich gibt es ein Unternehmen, das in diesem Bereich besonders hervorsticht.

Biologische Implantate


Knorpelschäden nach Verletzungen oder Infektionen können zu lähmenden Gelenksproblemen führen, die bis vor kurzem nur durch künstliche Gelenke gemildert werden konnten. Es gibt jedoch regenerative Ansätze, die derzeit entwickelt werden. Arthro Kinetics erforscht und entwickelt biologische Implantate im Bereich der regenerativen Medizin für die Behandlung des menschlichen muskoloskeletalen Systems. Die Produkte des Unternehmens zur Regeneration der Gelenkknorpel sind CaReS – eine patentierte Kollagen Typ I-Matrix, die mit Zellen des Patienten besiedelt wurde – und CaReS-One Step – ein zellfreies, CE-zertifiziertes Implantat basierend auf derselben Kollagen-Matrix wie CareS.